Anna Ledermüller-Sommer – Yogalehrerin und Energetikerin

Das Yoga-ABC: A wie Ashtanga

Das Yoga-ABC: A wie Ashtanga

Der klassische Ashtanga Yoga ist tatsächlich „ashtanga“, nämlich aus 8 Teilen bestehend. Und damit viiiel mehr als nur die 2 Teile der Körper- und Atemübungen, die im langläufigen heutigen Ashtanga drinnen sind. Der ursprüngliche Ashtanga Yoga ist das umfassendste Yoga-System, das es gibt. Patanjali hat es vor etwa 2000 Jahren im Yoga-Sutra niedergeschrieben. Doch erfunden hat er den Ashtanga Yoga nicht. Er ist uraltes Menschheitswissen, das in einer Linie von LehrerInnen zu SchülerInnen weiter gegeben worden war.

Die acht Bereiche des alten Ashtanga Yoga

umfassen den Menschen in all seinen Lebensbereichen und haben gemeinsam das größte Ziel aller Ziele: die Erleuchtung / Verwirklichung oder wie auch immer du Zustand des EINS-SEIN mit ALLEM nenne magst.

Patanjali beginnt in unserer täglichen Welt mit Yama und Niyama, den ersten beiden Teilen….

1. Yama = unser bestmöglicher Umgang mit unserer  Umwelt

2. Niyama = unser bestmöglicher Umgang mit uns selbst

Im Yoga-Sutra werden durch bloß 10 einzelne Worte 10 verschiedene Bereiche angesprochen und damit auch gleich klare Verhaltensempfehlungen gegeben: wie z.B. ahimsa, was mit dem Wort Gewaltlosigkeit übersetzt werden kann. Es meint ein überlegtes, behutsames Umgehen mit allem, was lebt. Insbesondere mit den Lebewesen, die hilflos sind oder sich in Schwierigkeiten befinden.

Erst jetzt kommen die Körper-und Atemübungen, die heute mit dem Wort „Ashtanga“ bezeichnet werden….

3. Asanas = die Praxis der Körperübungen

Die Körperübungen sind dazu da, deine Gesundheit zu erhalten, Disziplin und Konsequenz zu entwickeln. Sie ermöglichen auch das Erfahren eines bestimmten Ernergiemusters, das unmittelbare Erleben der innewohnenden Botschaft des Asana. Körperübungen brauchen nicht auf akrobatische Weise ausgeführt werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Die einzige Vorschrift dazu lautet: „sthirasukhamasanam“ – Körperübungen sollen stabil und bequem sein! Tatsächlich meint Patanjali damit nur die für die Meditation nötigen Sitzpositionen. Zu seiner Zeit waren akrobatische Körperübungen noch kein Thema.

 

4. Pranayama = die Praxis der Atemübungen

Mit den Atemübungen wird der Atem gezielt gelenkt und sie dienen der Verbesserung des Energiefluss. Sie werden auch zur Kontrolle des unruhigen Verstandes eingesetzt. Denn wir brauchen einen ruhigen Verstand für die folgenden Teile….

In den wesentlichen Teilen 5 – 8 sitzen wir als Übende ruhig da und versuchen das Folgende:

5. Pratyahara = das Nach-Innen-Ziehen der Sinne

6. Dharana = die Fähigkeit, unseren Geist auszurichten

7. Dhyana = die Fähigkeit, unseren Geist kontinuierlich in einer Verbindung mit dem, was wir verstehen wollen, bleiben zu lassen

8. Samadhi = die vollkommene Vereinigung mit dem, was wir verstehen wollen

ForscherIn und Forschungsgegenstand sind im Yoga EINS. Yoga ist die Erfahrungsbasierte Wissenschaft.

Die Teile 5 – 8 beschreiben das schrittweise Verbessern der Konzentrationsfähigkeit, den Rückzug der Sinne nach innen und das Wahrnehmen der Stille und des Friedens in uns. Schließlich passiert wahre Meditation und die Verwirklichung – das Verschmelzen mit unserer wirklichen, ewigen Natur.

Die Erleuchtung ist nicht Selbstzweck. Ein erleuchtetes Wesen fühlt seine Verantwortung im Leben noch weit mehr als wir es tun. Es setzt seine besonderen Fähigkeiten ein, um zu dienen, um anderen auf deren Weg weiterzuhelfen. Erleuchtete wissen um ihre Göttlichkeit und können sie auch in allen und allem, das sie umgibt, sehen. Erst aus diesem auf Erfahrung beruhenden Wissen lassen sich Yama und Niyama wahrhaft leben. Der Kreis schließt sich.

 

Und das alles lässt sich in einen Yogakurs verpacken?

Ich arbeite daran 😉

In deinen vielen, vielen Leben wirst du irgendwann mit Yoga oder einem anderen Weg in die große Einheit beginnen. Wenn du das hier liest, hast du längst damit begonnen…

UND wenn dich dein Weg in einen meiner Kurse oder zu einer Einzelsitzung führt, kannst du selbst überprüfen, inwieweit da der klassische Ashtanga Yoga passiert:

Wir beginnen und enden mit Yama und Niyama, in deiner eigenen Welt, dazu dienen die Anfangs- und Endrunden.

Die meiste Zeit verbringen wir mit den von mir aktuell ausgewählten Asanas und Pranayamas.

Schon da passieren Pratyahara, der Rückzug der Sinne, und Dharana. Konzentrationsübungen und Yoga-Nidra (geführte Tiefenentspannung) unterstützen diese Entwicklung.

Für Dhyana und Samadhi braucht es viel Übung und/oder Gnade. Wir sitzen jedenfalls in jeder Einheit eine Zeit lang in Stille. Wertungsfrei wahrnehmend als Bewusstsein, das den Verstand und alles andere beobachtet, das in ihm auftaucht und wieder verschwindet…

Erleuchtungsfunken werden uns allen sowieso immer wieder zuteil. Sie sind Bestätigung und Ermutigung auf dem Weg. Und der ist ja das Ziel, odrrr!

 

 

Photo von Marvin Ronsdorf bei unsplash.com