Anna Ledermüller - Sommer
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Wozu brauchen wir Yoga?

Schon vor tausenden Jahren erkannten die indischen Yogis , dass das nach außen gerichtete, geschäftige (wir würden in der Sprache unserer Zeit sagen: hektische, stressige) Leben die Menschen von ihrer inneren Bestimmung wegführt und keine bleibende Zufriedenheit bringt.
Wir erleben heute genau das selbe: unsere vielfältigen Pflichten lassen unseren Verstand nicht zur Ruhe kommen, der Lärm und die vielen Freizeitangebote, die vielfältigen Möglichkeiten, zu konsumieren machen letztendlich nicht glücklich und es bleibt eine große Leere im Inneren. Oft merken wir nicht gleich, was wirklich fehlt und wir haben nur eine unbestimmte Traurigkeit in uns, möglicherweise leiden wir unter einem Burnout mit seinen verschiedenen Symptomen, vielleicht tut der Rücken weh oder das Herz kennt seinen richtigen Rhythmus nicht mehr...

Von den vielen Möglichkeiten, mit diesen Alarmzeichen, welche die Seele sendet, umzugehen, ist Yoga für mich eine der effektivsten. Yoga führt schnell nach innen und lässt letztendlich spürbar werden, dass dort, wo wir zuvor Leere vermeinten, tatsächlich Licht, Gnade, Liebe und Wahrhaftigkeit in ihrer ganzen Fülle vorhanden sind. So lässt sich die Bedeutung des Wortes Yoga gut verstehen, es heißt nämlich sowohl „vereinen, vereinigen“ als auch „Vereinigung oder Einheit“.
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Wie geht das? Die verschiedenen Yogaarten
Unzählige Menschen haben sich schon die selbe Frage gestellt und sind daher auch zu ganz unterschiedlichen Antworten gekommen.
Ein paar klassische Antworten, also Yogaarten, heißen:
Hatha Yoga
Karma Yoga
Jnana Yoga
Bhakti Yoga
Raja Yoga - Ashtanga Yoga
Hatha Yoga
Menschen, die Hatha Yoga betreiben, wählen den Weg der Körper- und Atembeherrschung, sie arbeiten mit und an sich selbst.
Körper- und Atemübungen werden bei uns im Westen gerne übernommen, da sie unserem Sport- und Fitnessverständnis am ehesten entsprechen. So sind sie ein guter Anfang für den Weg des Yoga.
Bild: B.K.S. Iyengar
Karma Yoga
Hingegen halten diejenigen, die Karma Yoga, den Yoga der Tat (also der gelebten Liebe) betreiben, alleine das richtige Handeln für wichtig, nämlich jede Tat Gott zu weihen ohne sich über sogenanntes Gelingen oder Misslingen Sorgen zu machen.
Tatkräftige Menschen, die der göttlichen Natur im Mitmenschen dienen wollen, gibt es in allen Kulturen.
Bild: Mutter Theresa und  E. Kuebler Ross
Inana Yoga
Jnana Yoga ist der Weg , in dem Gott in seiner Qualität als höchste Weisheit verwirklicht werden soll. Daher analysiert und hinterfragt jemand, der Jnana Yoga betreibt, sich selbst, die eigenen Taten und auch alles, was ihm begegnet, um letztendlich auf den Urgrund, der hinter dem ganzen Spiel des Lebens steht zu treffen - auf Gott. Bild: Adi Shankaracharya
Bhakti Yoga
Bhakti Yoga ist der Yoga der Hingabe, der Yoga, der MystikerInnen aller Religionen. Sie überwinden die menschliche Begrenztheit indem sie Gott ihre Herzen weit öffnen und letztendlich „gotterfüllt“ zur Erfahrung der Einheit gelangen. Bild: Shri Chinmoy
Raja Yoga - Ashtanga Yoga
Raja Yoga heißt „königlicher Yoga“ und ist das umfassendste Yogasystem, das es gibt. Es erfasst den ganzen Menschen in seiner Vielfältigkeit und integriert die Ansätze verschiedener Yogawege (deswegen auch: Integraler Yoga). Raja Yoga wurde schon lange Zeit praktiziert, als seine Prinzipien schließlich vor etwa 2000 Jahren im Yoga Sutra des Patanjali niedergeschrieben wurden - und zwar als „Ashtanga Yoga“ ( „achtteiliger Yoga“). Bild: Patanjali
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Yoga - Philosphie
Ich meine immer den Raja Yoga, wenn ich von Yoga spreche. Deswegen möchte ich ganz kurz auf dessen acht Bestandteile eingehen. Genaueres kannst du in den Büchern nachlesen, die ich in unter „Literaturtipps“ weiter unten angebe.
1.) Yama = unser bestmöglicher Umgang mit unserer Umwelt
2.) Niyama = unser bestmöglicher Umgang mit uns selbst
3.) Asanas = die Praxis der Körperübungen
4.) Pranayama = die Praxis der Atemübungen
5.) Pratyahara = das Nach-Innen-Ziehen der Sinne
6.) Dharana = die Fähigkeit, unseren Geist auszurichten
7.) Dhyana = die Fähigkeit, unseren Geist kontinuierlich in einer Verbindung mit dem, was wir verstehen wollen, verweilen zu lassen
8.) Samadhi = die vollkommene Vereinigung mit dem, was wir verstehen wollen
Schauen wir uns die ersten beiden Teile einmal an: Alles, was sich über Yama und Niyama sagen lässt, brachte Jesus auf den Punkt als er sagte “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“. Das heißt, die Yogapraxis beginnt und endet – denn der Kreis schließt sich – im täglichen Leben.
Genau in diesem Sinn sagte Swami Shivananda:
„Yoga ist in erster Linie ein Lebensstil, nicht etwas vom Leben Getrenntes. Yoga ist nicht das Aufgeben von Handlung, sondern ihre erfolgreiche Durchführung im richtigen Geist. Yoga ist nicht Weglaufen von Heim und menschlicher Behausung, sondern ein Vorgang der Entwicklung einer Einstellung Heim und Gesellschaft gegenüber mit neuem Verständnis.“
Bild: Swami Sivananda
Der dritte Teil, die Körperübungen sind dazu da, die Gesundheit zu erhalten und Disziplin und Konsequenz zu entwickeln. Diese Eigenschaften sind das Ziel der unzähligen Körperübungen, sie sind niemals Selbstzweck.
Der vierte Teil, die Atemübungen dienen dem Energiefluss, der sich dadurch allgemein verbessert und auch gezielt lenken lässt. Ebenso dienen sie der Verstandeskontrolle, einer nötigen Voraussetzung für die folgenden Teile.
Im fünften Teil, dem Pratyahara, helfen uns bestimmte Techniken, uns vor der Fülle der Sinneseindrücke, die ständig auf uns einstürmen, zu verschließen und in den Frieden und die Stille in uns einzutauchen.
Im sechsten Teil, dem Dharana, entwickeln wir unsere Konzentrationsfähigkeit.
Sind wir im Zustand des Dhyana, des siebenten Teiles, können wir unseren Geist schon einige Zeit lang auf ein bestimmtes Thema hin ausrichten und wir erleben wahre Meditation.
Im Samadhi, dem achten Teil und höchsten Ziel des Yoga, erleben wir ein vollkommenes Verschmelzen mit dem, was wir verstehen wollen – also letztlich uns selbst, unsere wahre, göttliche Natur.

Und wie geht es weiter?
Auch die Erleuchtung ist nicht Selbstzweck. Ein erleuchtetes Wesen fühlt seine Verantwortung im Leben noch weit mehr als wir es tun und setzt seine besonderen Fähigkeiten ein, um zu dienen, um anderen auf ihrem Weg weiterzuhelfen. Erleuchtete wissen um ihre Göttlichkeit und können sie auch in allen und allem , was sie umgibt, sehen. Erst aus diesem auf Erfahrung beruhenden Wissen lassen sich Yama und Niyama wahrhaft leben.
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Literaturtipps:
Thema: Yoga – Philosophie, theoretischer Background
„Über Freiheit und Meditation – Das Yoga Sutra des Patanjali",
T.K.V. Desikachar
, vianova Verlag, ist leicht und ansprechend zu lesen - und zu hören, denn eine CD in Sanskrit liegt bei.
„Die Wissenschaft des Yoga“, I.K. Taimni, Hirthammer Verlag, ist das exakteste wissenschaftliche Buch zu diesem Thema, das ich kenne und bestens geeignet für Yogafreaks, die genauestes Hintergrundwissen wollen.
Thema: Körperübungen
„Licht auf Yoga“, B.K.S. Iyengar, O.W. Barth-Verlag, ist aufgrund der unübertroffenen Genauigkeit, in der die Ausführung der einzelnen Asanas beschrieben wird, für mich das Standardwerk. Vom akrobatischen Charakter des Buches brauchst du dich nicht abschrecken zu lassen.
„Yoga für die Frau“, Gita S. Iyengar, O.W.Barth-Verlag. Die Tochter obigen Autors verzichtet auf die Akrobatik, die der Vater zeigt, und bietet ein Standardwerk für Frauen - ein Buch, in dem auf die verschiedenen Aspekte ihrer Weiblichkeit eingegangen wird.
„Yoga - kinderleicht“, Stella Weller, Urania Verlag, ist in kindgerechter , leicht verständlicher Sprache geschriebenen , mit ganz natürlich wirkenden Kinderfotos.
„Yoga leichtgemacht“, Howard Kent, Ariston Verlag, enthält Übungen für geschwächte, kranke und ältere Menschen
„Das große Yogabuch“, Anna Trökes, Gräfe und Unzer Verlag, bietet eine genaue Beschreibung der Asanas, nützliche Vorübungen und eine sehr ansehnliche Gesamtgestaltung.
Thema: Atemübungen
„Licht auf Pranayama“, B.K.S.Iyengar, O.W.Barth -Verlag, ist ein Buch, in dem der Autor mit Akribie die korrekte Ausführung von Atemübungen erklärt.
Thema: Meditation
„Autobiographie eines Yogi“, Paramahamsa Yogananda, Self-Realization-Fellowship-Verlag, diese Lebensgeschichte ist ein berührendes Buch, das die eigene Sehnsucht nach Gott spürbar werden lässt und zur Meditation motiviert.
„Kriya Yoga“, Paramahamsa Hariharananda, Diederichs Gelbe Reihe, ist das wissenschaftliche Pendant zum erstgenannten Buch. (Erlernen kannst du in Österreich die Kriya Yogameditation jedoch nur von einem dazu autorisierten Kriya Yogameister nach einer Einweihung.)
„Meditation“, Sri Chinmoy, The Golden Shore Verlag, ist ein Buch, in dem die Hingabe an Gott im Mittelpunkt steht und geschrieben für Menschen, die fühlen, dass es in diesem Leben an der Zeit ist, ihr Herz zu öffnen.
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